Dieser Mercedes-Spec-Spot von deutschen Studenten trifft den Nerv der Zeit

Wir haben schon öfters über die talentierten Studentinnen und Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg berichtet, sei es über Eugen Merher, der das Netz mit einem inoffiziellen Werbespot für Adidas zum hyperventilieren brachte oder seine Kommilitonen Daniel Titz und Dorian Lebherz, die mit „Dear Brother“ 2015 einen viralen Hit gelandet hatten.

Nun folgt das nächste visuelle Sahnehäubchen aus der Talentschmiede: Mit dem Spec-Spot „Benim Evim Sensin“ für Mercedes-Benz schaffen Regisseur Ben Miethke und Producerin Madlen Folk einen emotiolen Spot, der aktueller nicht sein könnte. Er erzählt die Geschichte eines Einwanderers, der mit seinen Eltern in den 1980er Jahren von der Türkei nach Deutschland kommt.

Wir haben mit Ben Miethke über die Idee zum Spot und über die Verantwortung von Marken gesprochen.

Ben, euer Spec-Spot behandelt ein brisantes und vor allem aktuelles Thema. Warum habt ihr euch für das zentrale Motiv Migration entschieden?

Die Idee für den Spot entstand bereits Anfang 2017, aber es war ein langer Prozess. Zuerst hatte ich die Grundidee gehabt, Kindheitserinnerungen zu thematisieren und Autofahr-Momente, die man bis heute noch riecht, hört und fühlt. Dann hatte ich mit einem Kumpel gesprochen und dieser erzählte mir dann von seinen Erinnerungen. Ich komme aus Krefeld, wo der Migrationsanteil sehr hoch ist und ich daher glücklicherweise viele Freunde mit Migrationshintergrund habe. Mein Kumpel erzählte mir also von seinen Erinnerungen als Kind türkischer Einwanderer der 80er Jahre. Darüber, wie sie in den ersten Jahren an der Autobahn gewohnt hatten, weil nicht genug Geld da war und wie der Vater, der Gastarbeiter war, sich einen Mercedes-Benz gekauft hatte, um die Familie nachzuholen und die lange Fahrt in die Türkei durchzustehen. So ist dann die Storyline entstanden und mein Kumpel hat mich gepusht, die Idee zu verfolgen und zu realisieren.


Euer Spot war ja ein Spec Spot, also ein fiktiver Werbefilm für eine reale Marke. Solche Spots finden selten den Weg in die „echte“ Werbung eines Unternehmens. Warum glaubst du, wäre es wichtig, dass vor allem große Marken wie Mercedes-Benz mit so einem wichtigen Thema werben?

Wir haben einen Vorteil, dass wir relativ frei an solche Themen rangehen können. Große Marken hingegen polarisieren mit solchen Themen stark. Ich würde mir auf jeden Fall wünschen, dass Marken sich sowas mehr trauen würden. Und ich würde es auch generell spannend finden, wenn mehr Unternehmen versuchen würden, ein anderes Storytelling anzunehmen und mutiger werden, was die Themenfindung betrifft. Es ist natürlich riskant, aber ich glaube, dass es sich lohnt.

Meistens ist die Werbewelt glatt, gefällig und vor allem: ziemlich unpolitisch. Findest du, Marken sollten politischer werden?

Ja, die Werbewelt ist schon immer etwas glatter gewesen, aber ich würde es positiver sehen und würde sagen, dass es viele gute Tendenzen und Beispiele gibt, dass wir uns weiterentwickeln. Nike und Colin Kaepernick sind das beste Beispiel dafür. Und ich spüre, dass das Verständnis für solche Geschichten und Themen größer wird. Deswegen bin ich da sehr optimistisch, dass wir in Zukunft mehr solcher Kampagnen sehen werden.

Für welche – realen Brands – würdest du gerne mal einen Spot drehen?

Das kann ich gar nicht beantworten, weil es für mich immer von der Idee abhängt. Wenn eine Agentur oder eine Marke mit einer passenden Idee kommt, es authentisch erzählt wird und es passt – dann bin ich dabei.

 


Julia Berger

Julia hat irgendwas mit Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die famosen Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun stets bemüht als Leiterin der Digital Redaktion von Business Punk unterwegs.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder
placeholder